Er hat mich fast drei Jahre irritiert! Man hat jede Spur, jeden Abdruck, jeden Fleck gesehen. Ich rede vom Boden im Eingangsbereich unserer Wohnung, der meiner Meinung nach den Gesamtausdruck des Foajé‘s optisch gestört hat. Oh mein Gott, was ich nur mit dem Putzen an Zeit verschwendet habe! Kennt ihr  das Gefühl, wenn ihr etwas poliert und nach ein paar Minuten sieht es so aus wie vorher? Genau so sah mein Leben mit den Wandfliesen aus, die sich unbegreiflicherweise in einer waagerechten Position befanden (nämlich auf unserem Boden). 

 

Vielleicht bin ich ein übertriebener Pedant und vielleicht auch ein bisschen Monk, aber glaubt mir, das wollt ihr nicht! Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich es (buchstäblich) von der Erdoberfläche wegschaffen kann. Wir haben uns Dutzende Alternativen angesehen. Von Bodenbelägen über Bretter bis hin zum Vinyl. Aber irgendwie war nicht das Richtige dabei. Wir träumten von einer sauberen, minimalistischen Oberfläche im industriellen Stil, idealerweise ohne Fugen.

 

Die perfekte Lösung war die Neuigkeit auf dem Markt, die Betonbeschichtung BETON MINERAL von Résinence. Ihr wisst schon, ich und meine Schwäche für rohes Material und Industrial. Es war mehr als klar, dass dies unser neues Projekt sein würde! Der Hersteller bietet verschiedene Farbtöne an. Von dunkel bis hell, von grau bis beige. Ihr könnt auch aus einer Vielzahl von Oberflächenbeschichtungen wählen, je nachdem, ob ihr eine glänzende oder matte Oberfläche bevorzugt.

 

IMG 20190717 183925 01 resized 20190811 045126424 e1567536030253 - 4 Schritte zu einem Design-Betonboden

 

Beton wird in modernen Innenräumen immer beliebter. Die Aussage, dass es sich um eine technische, hässliche und kalte Oberfläche handelt, stimmt seit langem nicht mehr. Das Obermaterial muss so fixiert und behandelt werden, dass es der erforderlichen Belastung standhält. Die von uns gewählte Beschichtung weist eine relativ hohe mechanische und chemische Beständigkeit auf. Ich werde später auf diesen Punkt zurückkommen, aber lasst uns zunächst zusammenfassen, was wir für den gesamten Workflow benötigt haben:

 

 

Arbeitshandschuhe

Klebebänder

Betonfarbe mit Versiegelung

Farbroller mit Verlängerung

Spachteln (groß und klein)

Aceton

Schleifpapier

Betonrührer

Staubsauger

 


 

 

1.Schritt: Planen

Stellt vor dem Arbeitsbeginn sicher, dass das Wetter für das Projekt gut ist und ihr genügend Zeit habt, um es umzusetzen. Heiße Sonnentage eignen sich ideal. Da wir den Eingangsbereich mit der Küche ändern wollten, war es wichtig zu überlegen, wo wir mit der Arbeit anfangen. Von innen nach außen (und wir verbringen die Nacht bei den Freunden)? Oder von außen nach innen (und wir vergraben uns in einem der Räume)? Die Beschichtung muss nämlich 4-6 Stunden trocknen! Weiter zu bearbeiten erst nach 24 und zu versiegeln erst nach 48 Stunden.

Messt die Oberfläche und berechnet die benötigte Materialmenge. Der Verbrauch beträgt (laut Hersteller) 6 m2 pro 6 kg Farbe (= 1 Eimer / Packung).  Zuerst haben wir ca. mit zwei Packungen gerechnet. Wie sich herausstellte, brauchten wir fast das Doppelte bis Dreifache. Aber auch zu dem Punkt komme ich noch zurück.

 

 

2. Schritt: Vorbereitung der Oberfläche

Wenn ihr euch für diese Lösung entscheidet, müsst ihr keine Zeit mit Entfernen alter Fliesen oder Auftragen einer unteren Bodenschicht verschwenden. Der Hersteller verspricht eine perfekte Abdeckung von Unebenheiten, Fugen und Fliesen. Dies war einer der Gründe, die uns überzeugt haben. Wer den alten Bodenbelag schon losgeworden ist, weiß, wie viel Nerven, Staub und Arbeit sich hinter diesem scheinbar “schnellen” Prozess verbirgt. Die Idee, diesen Schritt zu überspringen, hat sich für uns mehr als verlockend angehört. Vor Arbeitsbeginn sollte die Originaloberfläche nur gründlich gereinigt und entfettet werden. Dafür gebe ich den Daumen hoch.

 

 

3. Schritt: Auftragen der Spachtelmasse

Wenn der Boden sauber und für das „Facelifting“ bereit ist, öffnet die im Kit enthaltenen Behälter und beginnt  mit dem Mischen. Wir haben uns für Anthrazit entschieden. Man sollte bedenken, dass die Farbe nach dem Trocknen um einige Töne verblasst! Allerdings nach dem Versiegeln um einiges wieder dünkler wird.

 

Beachtet unbedingt die Herstellerangaben auf der Verpackung! Rührt die Masse kontinuierlich, bis sie vollständig vermischt ist. Spachtel und Malwerkzeuge sind auch vorzubereiten. Ihr habt nur ein paar Stunden zum Auftragen, da die Beschichtung relativ schnell zu trocknen beginnt. Für eine bessere Vorstellung wie so ein Arbeitsvorgang aussieht, könnt ihr euch auch dieses Video anschauen.

 

Die erste Schicht ist quasi eine Art Bodenbasis und muss daher nicht perfekt sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich kaum anstrengen muss. Nach dem Vorgangsende muss man 24 Stunden warten, bis eine neue Schicht aufgetragen werden kann. Vergisst auch nicht nach Austrocknen jeder Schicht und vor dem Auftragen einer neuen die Oberfläche gründlich zu saugen!

 

Die zweite Schicht haben wir glatt gemacht. Wir dachten, sie wäre die letzte. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht der Fall war. Der ursprüngliche Bodenbelag, bzw. Fugen waren immer noch stark sichtbar. Somit war klar, dass eine dritte Schicht benötigt wird. Nur zur Info: der Hersteller verspricht extrem hohe Deckkraft. Um den ursprünglichen Untergrund abzudecken, werden 2-3 Schichten empfohlen. Aber auch nach dem dritten Versuch sind die Fugen der ursprünglichen Fliesen nicht verschwunden.  Was noch schlimmer war, der Öltropfen, der versehentlich nach dem Auftragen der zweiten Schicht auf den Boden fiel, ging auch nicht verloren. So haben den Fleck aufgestemmt, eine vierte Schicht aufgetragen und gehofft, dass es diesmal klappt.

 

 

4. Schritt: Versiegelung

Unglaublich aber wahr! Die Fugen sind verschwunden und wir konnten endlich die letzte (Versiegelungs-) Schicht auftragen. Im Gegensatz zur Farbe trocknet die Versiegelung bis zu 48 Stunden und länger! Dieser Richtwert ist nicht zu unterschätzen! Wie schon erwähnt, man kann zwischen verschiedenen Oberflächen wählen! Da es mir wichtig war, die Reinigung auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, haben wir uns für eine matte Oberfläche entschieden. Dies verleiht der Betonoberfläche meiner Meinung nach den authentischsten industriellen Look.

 

Wir haben die Oberfläche zweimal versiegelt (sicherheitshalber). Was denkt ihr, hat es gereicht? Aber wo! Kein Scherz! Auf dem Boden sehe ich dunkle Wassertropfen! Nur damit ihr es versteht, die Flüssigkeit sollte auf der Oberfläche abperlen (so in etwa wie Regentropfen auf einer wasserdichten Jacke). Stattdessen sind sie eingedrungen, was bedeutet, dass die Versiegelungsschicht ihren Zweck nicht erfüllt. Ok, ab in den Laden zwei weitere Eimer zu holen. Noch zwei Beschichtungen und wir beten, dass diese Tortur für immer enden wird.

 

 

  • Zusammenfassung

Es mag sich vielleicht einfach „anhören“, aber die Bodenbeschichtung zu realisieren ist wirklich nicht sooo einfach. Es erfordert große Präzision und vor allem eine extra Portion Geduld.

 

Nur um euch eine Vorstellung zu schaffen, das war der ursprüngliche Plan:  

Zeitplan:

2 x Betonanstrich = ca. 2 Arbeitsstunden/ pro Schicht + (Trockenzeit)

2 x Versiegelungsschicht: = ca.1/5 – 1 Arbeitsstunden/ pro Schicht + (Trockenzeit)

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Fazit:

Dauer: 4 – 5 Tage

Materialkosten: 200-300 Euro

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Und so sah die Realität aus:

4 x Betonanstrich = ca. 2 Arbeitsstunden/ pro Schicht + (Trockenzeit)

4 x Versiegelungsschicht: = ca.1/5 – 1 Arbeitsstunden/ pro Schicht + (Trockenzeit)

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Fazit: 

Dauer: 1,5 Wochen

Materialkosten: knappe 1000 Euro

 

Vielleicht könnt ihr euch unsere Enttäuschung vorstellen, wenn trotz sorgfältiger Vorbereitung und Berechnung des gesamten Plans das Budget weit überschritten wurde! Dabei haben wir keine Fehler gemacht. Unser Plan wurde sorgfältig anhand von Herstellerangaben erstellt: Hohe Deckkraft, 2 – max. 3 Schichten. Letztendlich waren es 4 + 4. Die Verarbeitung ist ohne professionelle Hilfe nicht möglich!

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Daher kann ich das Produkt nicht mit einem reinen Gewissen weiterempfehlen, bin aber schließlich mit dem Endergebnis zufrieden. Reinigung und Pflege machen mich glücklich. Die Oberfläche ist pflegeleicht und ich spreche nicht über das Aussehen und den Gesamteindruck des Raumes.

 

Falls euch dieses Projekt angesprochen hat, dann schaut euch auch weitere unsere Bastelprojekte an.

 

Foto: Lucididit