Kein Scherz! Ich habe genau zwei Jahre gebraucht, um das Dilemma der Wohnzimmerwand zu lösen. Ich spreche von der kahlen weißen Wand hinter dem Fernseher, die euch sofort in die Augen fällt, wenn ihr den Raum betritt. Da gehört definitiv ein Hingucker her! – denke ich mir. In Frage kamen gleich mehrere Alternativen: Tapete, Betonwand, Ziegelverkleidung und Aquarellmalerei. Wie ist es ausgegangen?

 


 

Etwa so, dass wir beim Anwenden der Ausscheidungmethode wieder am Anfang gelandet sind: Die Tapete möge recht toll sein, aber angesichts des hohen Risikos, dass sie mich nach kurzer Zeit möglicherweise stören könnte, fand ich diese Option zu teuer. Ich habe mir alle DO´s und NO GO´s einstudiert und Dutzende Musterstücke nach Hause geschickt bekommen. Wenn man vom Tapezieren spricht, dann ist mit mehreren hundert Euro zu rechnen. Die relativ hohe finanzielle Belastung und Aufwand ist nicht zu unterschätzen.

Die Betonwand war ursprünglich meine bevorzugte Alternative. Aber den rohen industrielle Beton-Look hat bereits der Boden in der Küche und im Vorzimmer bekommen und 16 m² ist schon eine ziemlich prominente Fläche. So wird auch Punkt 2 von der Liste gestrichen. Mit den Ziegelsteinen war es eine ähnliche Tortur. Denn wenn Ziegeln, ​​dann echte! Tapetenimitationen sind etwa so glaubwürdig wie ein Massivholztisch, der eigentlich aus Spanplatten besteht. Aber eine echte Ziegelverkleidung kostet was! Und zum Schluß die Aquarellwand, so sehr sie mir auch gefallen hat, lehnte mein Freund diese sofort ab. Ok und wir sind wieder am Anfang.

 

 

Die Lösung ließ jedoch nicht lange auf sich warten…

Bisher haben wir Dutzende von kreativen Ideen angewendet, um das Interieur zu verschönern, aber ich muss sagen, dass ich diese als das brillanteste von allen betrachte. Sie hat uns Hunderte von Euro gespart. Die Projektrealisierung hat uns runde  6 Euro gekostet! Genau so viel haben wir für die Stecknadeln bezahlt – das einzige Arbeitsmaterial, um das Projekt durchzuführen. Und dann noch ein paar alte Bücher und Zeitschriften.

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Am Anfang war Tabula Rasa

Die Voraussetzung für die Realisierung dieses Projektes war eine Rigipswand! Die Nadeln mit dem Finger in die Betonwand zu drücken könnte ein Disaster sein (wortwörtlich)! Im Falle von einer Mauerwand könnte man als Lösung eine Collage anwenden, die man zuerst auf ein großflächiges Papier oder Drahtnetz/ Gitter anbringt und dann an der Wand befestigt. Alles, was wir gebraucht haben, waren eine Menge an alten Büchern, Zeitschriften und Comics. Ich habe die Seiten präzise ausgesucht, so dass die Auswahl ziemlich vielfältig war und beim Erstellen der Collage ein fließender Text, Abbildungen, große und fette Zeichen und Fotos zur Verfügung waren.

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Zuerst haben wir mit den Textseiten begonnen, die eine Art Hintergrund bildeten. Dann haben wir die etwas „frischere“ Seiten (Illustrationen, Fotos, Überschriften) daran geheftet und hie und da über Kopf, quer oder diagonal befestigt, um den symmetrischen Eindruck zu zerstören. Der gesamte Prozess verlief spontan im Sinne einer subjektiven Wahrnehmung von Harmonie und optischer Ästhetik – bis ein visuelles Bild entstand, mit dem wir beide zufrieden waren.

 

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Das wäre nicht ich, wenn ich dem Ganzen nicht einen persönlichen Touch verleihen würde … und Farben! Ich habe die linke obere Ecke absichtlich „ungeschrieben“ belassen. Diese wollte ich mit einer Betonschicht streichen, die den Eindruck eines freigelegten Mauerwerks erwecken könnte. Um mir eine Vorstellung zu schaffen, habe ich die Farbe vorerst auf ein Stück Papier aufgetragen und zu dem Rest der Collage hingehalten. Aber irgendwie hat es mich gestört. Na gut, die Ecke bleibt definitiv weiß!

 

Doch um es nicht zu „brav“ aussehen zu lassen, habe ich etwas Willkürlichkeit in Form von abstrakten Elementen reingebracht. Und wenn ihr genau hinschaut und euch auf Details konzentriert, findet ihr auf einigen Seiten auch versteckte Texte, deren künstlerische Herkunft vom Stift (oder besser gesagt von der Schreibmaschine) unseres Nachbarn stammt:

 

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  • Sowie eine Reihe von personalisierten Nachrichten, die wir geschickt in das Projekt integriert haben. Es lebe der Stempel!

 

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… und eigener Illustrationen.

 

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Buchklammern…

 

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Und hie und da habe ich eine mega alte Platte versteckt… Wer zum Teufel ist Jindrich Bauer?

 

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Was sagt ihr zum Ergebnis? Fühlt euch frei, einen Kommentar zu hinterlassen und lasst mich wissen, wie euch diese ausgefallene Idee gefällt. Mir ist klar, dass es wie beim Betonboden-Projekt sicherlich Leute gibt, denen das Ergebnis nicht gefällt. Und das ist in Ordnung! Aber ich und mein Freund (Beistrich) Mitbewohner sind zum Glück auf der gleichen Welle und die Seiten der Vogue direkt gleich neben denen aus der medizinischen Chronik stören uns überhaupt nicht. Solche verrückten Ideen sind heutzutage auch keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil, die Originalität und Kreativität sind immer mehr gefragt…

 

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Foto: Lucididit