Schon als Kind sehnte ich mich nach ihm (ich meine das Klavier). Mein Vater kaufte mir damals, um Familienruhe zu bewahren, ein kleines Kinder-Piano etwa in der Größe eines Computers, was natürlich nicht meinen Vorstellungen entsprach, aber spielen konnte man darauf. Ich habe nie Klavierstunden besucht und so war die Aufregung für das neue Spiel so schnell vorbei, wie sie auch begonnen hat. Bis heute liebe ich aber den Klang eines Klaviers . Zudem ist es ein stilvoller eleganter Teil der EInrichtung, der sicherlich ins Auge sticht.

 

Im Wesentlichen wird das Klavier in zwei Typen unterteilt: Das KLAVIER und PIANO. Unter Klavier versteht man den klassischen Flügel, so wie ihn auch jeder kennt. Sollten wir es einfach beschreiben, handelt es sich um ein Musikinstrument, das auf drei Füßen steht. Die Größe des Flügels kann bis zu drei Meter erreichen. Und gerade die Größe unterscheidet ihn vom Piano, das viel kleiner ist, aber höher und wird deshalb an die Wand gestellt.

 

Kürzlich habe ich beim Umzug einen alten unbrauchbaren Flügel entdeckt. Die besten Zeiten hatte er hinter sich, von den Tasten funktionierte nur noch jede vierte. Erinnerungen an meine Kinderwünsche sind wieder zum Leben erwacht und die Idee war auf der Welt: einen Tisch aus einem Klavier! So etwas hat niemand zu Hause. Ich habe mich in die Idee sofort verliebt und nun habe ich meinen eigenen Flügeltisch. Was soll´s dass er nicht funktioniert, spielen könnte ich darauf ohne dies nicht.

 

Jaaa, das fiel mir auch ein. Ich bin mir dessen bewusst, dass nicht jeder zu Hause einen Flügel hat und wenn doch, dann hat er wahsrcheinlich nicht die Absicht ihn zu zerstören und zu zerstückeln, um sich daraus einen Tisch zu basteln. Absolut legitimer Einspruch. Aber darum geht es auch nicht. Ich will nur zeigen, dass man auch aus den alten, nicht mehr brauchbaren Dingen (oder wenn du willst, aus Müll oder zukünftigem Abfall) interessante und einzigartige Wohnaccessoires kreieren kann. Sieh´ es als INSPIRATION! Ein Beispiel: Eine Freundin von mir hat mir letztens beim Kaffe gestanden, dass sie neue Möbel brauchen würde, kann sich diese aber gerade nicht leisten. Verstehe. Ziemlich frustrierend. Aber genau das ist es – eine Frage der Perspektive. Also wie wäre es damit: aufhören, sich den Kopf darüber zu zerberechen, wie das oder jenes nicht geht und etwas zu unternehmen, um die Dinge zu bewegen. Die Umwandlung von ALT auf NEU ist ein idealer Weg um zwei Fliegen mit einem Schlag zu bekommen. Eigenproduktion hat unter anderem enorme Vorteile:

 

  • sie ist ökologisch
  • man muss nicht ins Mölbelhaus gehen
  • und sie ist viel billiger als dort also vergiss das Budget. Das ist “totally safe“.

 

 ARBEITSDAUER: würde ich in Tagen abschätzen. Ich habe (mit Hilfe meines Freundes) ca. 3 Tage gebraucht.

BUDGET: 50 -100 € (je nachdem, wieviele Materialien bereits im Haushalt vorhanden sind)

SCHWIERIGKEITSGRAD: 

 

Und was brauchen wir, um den Tisch zu basteln?

IMG 1531 300x300 - Wie baut man einen Tisch aus einem alten Flügel?Schleifmaschine/ Schleifpapier (um den alten Lack zu entfernen)

Rolle zum Malen

Spachtelmasse (um Löcher, tiefe Kratzer und Unebenheiten auszugleichen)

Grundierungslack

Einweg-Handschuhe

Schwamm

Winkel (3 pro Fuß/ d.h. 3×3)

Schrauben

Schraubenzieher und Bohrer

(weisser) Holzlack (Achtung, nicht wasserlöslich)

Klarlack

 

 

Los geht´s:

ACHTUNG: bei Zerlegen eines Flügels solltet ihr euch professionelle Hilfe holen!!! Kann gefährlich sein!

  1. Also in erster Linie müssen wir SÄGEN. Die Klavierbeine sind oft unterschiedlich groß, was beim Tisch basteln ein Problem sein könnte. Deswegen müssen wir diese vorerst auf die selbe Höhe kürzen. Oder die Beine zu einem Tischler bringen, der es in einigen Minuten so gut wie erledigt hat.
  2. Fertig? Dann  gehen wir SCHLEIFEN. Da ich mich entschieden habe, das ganze Wohnzimmer in zarten Pastellfarben zu halten, musste der ursprünglich schwarze Lack,so ellegant er sein mag, weg. (Ich kann mir aber vorstellen, dass der Tisch auch in der Ursprungsfarbe wunderschön gewesen wäre.) Warum einfach, wenn es kompliziert geht. Somit habe ich mich gleich für die Umwandlung von Schwarz auf Weiss entschieden, den schmutzigsten Part der ganzen Produktion. Diesen Schritt würde ich eindeutig empfehlen im Freien zu machen (!!!), da er mit sehr viel Staub verbunden ist. Du kannst dir aber die ganze „Sauerei“ sparen, falls du die ursprüngliche Farbe behalten willst und somit gleichzeitig eine Reihe von Schritten überspringst.
  3. In meinem Fall folgte nach den Schleifarbeiten noch die komplette Flächenreinigung von den schwarzen Staubresten,
  4. Verspachteln von Löchern und Kratzern,
  5. Grundierung auftragen, damit die Farbe besser hält und
  6. letztendlich das LACKIEREN. Es hat mehrere Schichten gebraucht um einen klaren weissen Effekt zu erzielen. Aber nicht zu viele Schichten, denn sonst würde die Holzstruktur komplett verschwinden. Genauso wurden auch die Klavierbeine lackiert, in diesem Fall einfach mit einem Spraylack.
  7. Und hier folgt der Schritt sowohl für die weisse als auch für die schwarze Version – MONTAGE. Hier verbinden wir nur noch die Einzelteile – Beine und Platte mit einem Winkel – und der Tisch ist de facto fertig.
  8. Ich habe zusätzlich unter die Räder 3 Holzuntersetzer (mit einem Loch für die Räder) hinzugefügt, die ich in Betonfarbe gestrichen habe. Warum? Die Metallräder sind erstens nicht statisch und zweitens könnten die Räder bei dem Schieben den Parkettboden beschädigen.
  9. Und wie es oft der Fall ist, gehst du in den Keller, um einen Schlafsack zu suchen und findest alles, nur nicht diesen. Und so erblickte ich eine übergebliebene Schublade von einem Schreibtisch. Nun, rate mal, wo sie jetzt ist.
  10. Und hier ist das endgültige ERGEBNIS – Tisch mit Lade:

 

 

Foto: WM, Illustrationsphoto: Pixabay