Man sagt, dass eine Wohnung oder ein Haus zu haben ein lebenslanges Projekt ist, mit dem man nie fertig wird. Tja, hätte ich nie gedacht, langsam fange ich aber an es so richtig zu verstehen. In der Mietwohnung davor gab es weder die Möglichkeit noch einen Grund dafür etwas zu renovieren, einzurichten oder umzubauen. Jetzt sehe ich wiederum keinen Grund damit aufzuhören. Ja, Mama, nun verstehe ich endlich, warum du jedes Jahr die Möbel umgestellt hast um sie aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.

 

 

Die Vorbereitung

Eine Immobilieninvestition mit allem drum und dran ist ein großer Lebensschritt, auf den man sich gründlich vorbereiten sollte. Deswegen ist es ein relativ langsamer und anspruchsvoller Verlauf. Gütiger Himmel und der Umzug! Wenn ich euch einen guten Rat geben kann, zieht bloß  nicht im Winter um (wie ich). Oder noch besser,  zieht gar nicht um! Wer diese Erfahrung bereits gemacht hat, der weiss, dass man mit einem relativ hohen Stressfaktor und Chaos rechnen muss.

 

 

Der Transformationsprozess

Sobald aber die Umzugskisten im neuen Häuschen Tetris spielen, beginnt etwas Großartiges. Dieser Transformationsprozess, während dessen praktisch jede Ecke unter euren Händen zum Leben erwacht, macht aus den vier Wänden mehr als bloß nur ein Haus oder eine Wohnung – euer zu Hause. Ich genieße diese kreativen Einrichtungsprozesse. Ich und mein Freund investieren relativ viel Zeit und Energie in unsere frisch bezogene Wohnung, aber wir tun es mit Liebe. Und wenn diese zur Natur mit Kreativität zusammenkommt, sieht es so aus:

Als wir vor etwa mehr als einem Jahr in eine neue Wohnung gezogen sind, war unser Ziel eine idylische Oase zu schaffen, in der wir uns wohl fühlen können. Daran halten wir uns immer noch, auch wenn es lange Zeit anders ausgeschaut hat. Die ersten 4 Monate haben wir defacto nur Schachteln von einer Seite auf die andere Seite verschoben. Ein pures Erlebnis a‘ la „living in the box“! Was auch immer ihr plant, verspätete Lieferzeiten, Komplikationen oder mögliche Reklamationen sorgen schnell für eine  kalte Dusche. Diejenigen, die sich für den Bau eines Hauses entschieden haben, die wissen wovon ich spreche.  

Begonnen hat es mit der Planung einer Küche, die wir erst nach 4 Monaten geliefert bekommen haben. Ich schwöre es euch, ich habe noch nie zuvor so viele Brotaufstriche konsumiert. Die benachbarten Lokale in unserem Bezirk haben plötzlich höhere Umsatzzahlen geschrieben und im ‚Hotel Mama‘ waren wir auch Stammgäste. Um bei der Einrichtung so viel wie möglich zu sparen,  haben wir einen 10 Jahre alten Kühlschrank mit in den obersten Stock hinauf getragen. Es war aufgelegt, dass er den Geist aufgibt, nachdem ich ihn komplett mit der schwarzen Kreidefarbe bemalt habe. Er sah super cool aus, bedauerlicherweise war das auch schon alles. Wie auch immer, wenn ihr zu Hause noch so ein altes weißes Elektrogerät habt, welches nach einiger Zeit vergilbt ist, könnt ihr es relativ einfach mit einer geeigneten Kreidefarbe zu einem Neuen verwandeln.

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(Alte Möbel eignet sich aber ideal für eine farbige Verwandlung. So haben wir einen Coutschtisch aus einem alten Flügel gebastelt.)

Aber wofür braucht man einen Kühlschrank, wenn man nicht mal eine Küche hat! Na gut, dann verzichten wir auf die Brotauschtriche auch noch. Dann zog eine Motte ein, ganz ohne zu fragen, und es war soweit. Vielleicht wisst ihr schon, dass eine einzige Motte reicht um den ganzen Haushalt zu kontaminieren. Ob die Bäckerei gegenüber oder die Lebensmittel in den Monate lang unberührten Kisten schuld waren, spielte keine Rolle mehr. Alle Lebensmittel landeten im Mühl und ich habe statt Dekorationen die Mottenfallen und Lavendel in der Wohnung platziert. Falls auch ihr ein ähnliches Problem habt, versucht auch eines von meinen upcycling Ideen und macht dem ein Ende!

Das Badezimmer? Eine ähnliche Geschichte. Die hundert Kilo schwere Waschmaschine wurde alle Stockwerke hinaufgeschleppt, um nach wenigen Wochen feststellen zu müssen, dass sie kaputt ist. Wer sollte wissen, dass die Neue fast über ein Monat auf sich warten lässt? Wheeeeyyy. Let‘s go back to the roots. Es lebe die Handwäsche und ausgerissene Haut auf den Fingern! Aber gehen wir mal ins Wohnzimmer (das zumindest nach dem Grundriss ein Wohnraum sein sollte). Die Lieferung eines neuen Sofas hat sich nur um zwei Monate nach hinten verschoben. Kein Probleeem. Fernsehen am Boden fanden wir zwar nicht so prickelnd, aber wenn mal das Bedürfnis da war, dann bitte im Stil – auf einem antiken orientalischen Teppich! Oder Sch…ss drauf und ab ins Bett.

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Gott sei dank hatten wir zumindest das…. auch wenn ich mich erst einmal daran gewöhnen musste. Warum das denn? Weil mich das Geräusch des plätschernden Wassers im Wasserbett in der Nacht gezwungen hat die Toilette zu besuchen und wenn sich mein Freund  im Schlaf umgedreht hat, wurde ich am anderen Ende fast seekrank. Aber alles geht wenn man es nur will. Da das Schlafzimmer der einzig mögliche Raum der ersehnten Ruhe war, haben wir es als erstes eingerichtet. Wir stiegen ins Auto ein Richtung IKEA, schnappten uns ein paar Möbelstücke, bezahlen, zu Hause aufbauen, fertig!

Aber ich sage es euch, trotz allen Sorgen war es eine schöne Zeit. Es war nicht gemütlich, ohne der Couch auf dem Boden zu sitzen, es hat keinen Spaß gemacht dreckige Plastikteller in der Badewanne zu waschen und noch weniger in gebückter Pose schmutzige Wäsche zu waschen, aber wie ein altes Sprichwort besagt: „Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter.“ Alles verging wie im Nu und das Einrichtungsfieber konnte beginnen. Wie komisch sich das auch anhören mag, aber wir haben jede Menge Muskelkater und blaue Flecken genossen. Weil es einfach dazu gehört! Außerdem fand ich heraus, dass ich in meinem Freund einen Seelenverwandten gefunden habe. Die Tatsache, dass die Ergebnisse unserer gemeinsamen kreativen Momente einen intimen Charakter und einen einzigartigen Wert haben, muss ich euch wahrscheinlich nicht erwähnen.

 

 

Das Budget

Da wir jedes Mal unerwartete Ausgaben hatten, die unser Budget überschritten haben, mussten wir uns einen Plan überlegen, wo wir sparen können. Die einzig clevere Lösung war die Renovierung, Recycling und Upcycling, welche ich heute so stolz präsentiere. Ich sagte mir: Heeey, wir beide haben doch eine besondere Schwäche für „altes Zeug“, lass uns diese zu Neuem verwandeln! Monat für Monat fanden in unserem zu Hause neue Wohnaccessoires ihren Platz. Etwas Gekauftes, etwas Geschenktes, etwas Selbstgemachtes. 


 

Ein Tisch aus einem alten Flügel war unser erstes und größtes Projekt. Aus dem zweiten Teil des Flügels ist ein Bücherregal geworden, dann einen Vorratsschrank aus einem altem Kellerregal, Kommoden aus alten Möbeln, Lampen aus Konsolen oder Regale aus liegengebliebenem Holz… und so weiter und so weiter… In diesem Monat haben weitere neue Stücke ihren Platz bei uns gefunden. Ein Balken mit einer Gürtelhalterung, eine kleine Bücherecke, eine kobaltblaue Wand im Wohnraum und eine dreifarbige Türkis-Trikolore Wand im Vorzimmer. Wir sind bei weitem nicht fertig. Man sagt, dass eine Wohnung oder ein Haus zu haben ein lebenslanges Projekt ist, mit dem man nie fertig wird…

 

 

Foto: Lucididit, Unsplash